Projekt


Anlass und Hintergrund

Das rasche Erreichen der Klimaneutralität ist eine der wichtigsten gesellschaftlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Es geht darum, menschliche Aktivitäten so zu gestalten, dass netto keine Treibhausgase mehr in die Atmosphäre gelangen. Das heißt, CO2-Emissionen, die an einer Stelle entstehen, müssen an anderer Stelle durch die Bindung von Kohlenstoff, zum Beispiel im Holz von Wäldern, ausgeglichen werden.

Um das Klimaschutzziel einer globalen Erwärmung von maximal 1,5 °C zu erreichen, müssen konkrete Maßnahmen noch in diesem Jahrzehnt ergriffen werden. Das ist auch nötig, um internationale Verpflichtungen, wie sie  das Pariser Klimaabkommen von 2015 festlegt, oder von EU- und nationalen Zielen zu erreichen. Dies erfordert grundlegende Veränderungen in allen Handlungsbereichen (Energie, Verkehr, Konsum usw.) und über alle Sektoren (öffentliche Hand, Privatwirtschaft, Zivilgesellschaft) hinweg.

Städte spielen eine Schlüsselrolle beim Erreichen der Klimaneutralität: Städte verursachen einen Großteil der weltweiten Treibhausgasemissionen. Zugleich bieten sie mit ihrem innovativen Potenzial und ihrer transformativen Kraft, die Chance, einen tiefgreifenden Wandel und damit auch die Klimaneutralität zu erreichen.

Schon jetzt liegen umfangreiche Erkenntnisse vor, mit welchen Maßnahmen und auf welchen Wegen sich der Treibhausgasausstoß begrenzen ließe. Doch bisher ist der Transfer dieser Erkenntnisse in die Realität nur zum Teil erfolgreich gewesen und die Umsetzung von erforderlichen Maßnahmen erfolgt nur sehr langsam.

In der Stadt Görlitz bestehen sowohl politische als auch zivilgesellschaftliche Bestrebungen und auch bereits erste konkrete Handlungsansätze klimaneutral zu werden. Gleichzeitig ist Görlitz aber auch eine Stadt, die stark von den Folgen des demografischen und wirtschaftlichen Wandels betroffen ist. Daher sind in Görlitz sowohl die Institutionen und Strukturen als auch das erforderliche Wissen und die Kapazitäten begrenzt, um die bereichs- und sektorübergreifenden Herausforderungen des Ziels der Klimaneutralität zu bewältigen.


Ziel

Das Projekt TRUST "Transfer von Wissen zu urbanen Nachhaltigkeitstransformationen: Auf dem Weg zu klimaneutralen Städten 2030 - Görlitz als Pilotvorhaben" zielt darauf ab, in Görlitz ein aktives Netzwerk aus Partnern aufzubauen, die gemeinsam und mit neuen Ideen dazu beitragen, einen nachhaltigen Wandel in der Stadt zu erreichen und sie bis 2030 klimaneutral zu gestalten. Zu diesem Zweck wird ein intensiver Wissenstransfer zwischen der Wissenschaft und der Stadt und ihren lokalen Akteur*innen stattfinden. Dabei wird auf aktuellen Erkenntnissen aus der Nachhaltigkeits-, Transformations- und Stadtforschung sowie auf inter- und transdisziplinären sowie transformativen Forschungserfahrungen aufgebaut.

Über die konkreten lokalen Ergebnisse hinaus soll das Görlitzer Pilotprojekt ein Referenzfall für andere kleine und mittelgroße Städte in peripheren Regionen in Deutschland und Europa sein.


Vorgehen

Das Projekt basiert auf dem Transition-Management-Ansatz, der darauf abzielt, gemeinsam Zukunftsvisionen und Pfade zu entwickeln, auf denen diese Visionen erreicht werden können. Ein "Transformations-Team" wird den gesamten Transferprozess mitgestalten und umsetzen. In diesem Team arbeiten Vertreter*innen der Projektpartner aus den Bereichen Verwaltung, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft kontinuierlich zusammen, um Transferformate zu konzipieren und zu organisieren, Erkenntnisse aus den jeweiligen Partnerinstitutionen aufzugreifen sowie Projektergebnisse in deren Routinen einfließen zu lassen.

In mehreren "Transformationsarenen" werden gemeinsam Analysen, Visionen, Pfade und Maßnahmen für die städtische Klimaneutralität erarbeitet. In diesen aufeinander aufbauenden Austausch- und Diskussionsveranstaltungen werden Akteur*innen vernetzt, Wissen integriert und Strategien aus dem öffentlichen Sektor, der Wirtschaft, der Zivilgesellschaft und der Wissenschaft aufeinander abgestimmt.


Ergebnis

In den Transformationsarenen sollen:

  1. ein gemeinsames Verständnis für die Herausforderung der Klimaneutralität und Bewusstsein für das zu betrachtende System geschaffen werden
  2. Visionen für ein klimaneutrales Görlitz erarbeitet werden
  3. Pfade zur Klimaneutralität entwickelt werden, die als konkrete Schritte und Meilensteine in eine "Transformations-Agenda" für Görlitz münden
  4. strategische "Transformationsexperimente" vereinbart werden, die zur angestrebten Zukunft beitragen und die Pfade zur Klimaneutralität vorzeichnen.

Das Projekt TRUST ist dabei als ein Baustein in einer ganzen Reihe unterschiedlicher Aktivitäten in der Stadt zu sehen, die darauf abzielen, Görlitz nachhaltig und klimaneutral zu gestalten. Es zielt darauf ab, bestehende und neue Aktivitäten zielgerichtet zu bündeln.
Das Projekt möchte neues Wissen schaffen und dazu beitragen, dass Vertrauen entsteht und sich Netzwerke etablieren. Diese im Projekt geschaffenen Grundlagen können die Innovationsfähigkeit der Stadt auch auf lange Sicht stärken. Sie sollen über das Projektende hinaus in Görlitz wirken und die Basis für weitere Wandlungsprozesse sein. Denn nur mit gemeinsam vereinbarten, auf Dauer angelegten und breit in allen städtischen Bereichen verankerten Aktivitäten lässt sich ein klimaneutrales Görlitz erreichen.